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Thema: "Membrane oder Gene?"

Bei einem internen Interview wurde unser wissenschaftlicher Leiter Dr. Daniel Wallerstorfer zum Thema der Membrane von Zellen befragt.



Frage: Manche Menschen sprechen davon dass Membrane (Außerhalb sowie in den Zellen selbst) eine viel wichtigere Rolle spielen als die Gene. Ist da etwas dran?



Dr. Wallerstorfer:

Mit der Ansicht dass Membranen den Körper mehr steuern als Gene kann ich mich leider nur zum Teil anfreunden, denn die ersten Gene gab es vermutlich lange vor den ersten Membranen und tatsächlich werden die Membrane unserer Zellen nur aufgrund dafür zuständiger Gene überhaupt erst gebildet.

Membrane sind die Barrieren zwischen der Außenwelt und dem Zellen-Inneren und halten viele Stoffe entweder drinnen oder draußen, aber was durchgelassen wird bestimmen wiederum die Gene, die die Transportkanäle öffnen oder schließen. So ist es auch bei manchen der Gene in der DNA+Gewicht Analyse. Fett kann im Darm nur dann aufgenommen werden, wenn Gene es durch das Membran lassen. Nun gibt es Gene, die diesen Prozess regulieren. Sie lassen nicht zu viel und nicht zu wenig Fett durch die Membranen und somit in unseren Körper. Wenn nun eines dieser Gene defekt ist lässt es fälschlicherweise zu viel Fett in den Körper, was dann dazu führt dass man durch eine fettreiche Ernährung sehr schnell übergewichtig wird. Andere Menschen mit intakten Genen nehmen auch bei doppelt so viel Fett in der Nahrung nicht mehr auf und bleiben schlank. Hier haben zwar die Membrane eine Rolle zu spielen, aber nur als Barriere gegen die Aufnahme. Was durch kommt entscheiden die Gene.

Bei anderen Prozessen spielen Membranen wiederum kaum eine Rolle. Das Laktase-Enzym-Gen produziert ein Enzym, das fern ab von irgendwelchen Membranen im Inneren des Darms den Milchzucker Laktose aufspaltet. Ist dieses Gen defekt, passiert dies nicht und Bakterien verwenden den unverwerteten Milchzucker als Nahrungsquelle, was dann die Laktose-Intoleranz auslöst.

So gibt es Gene, die die Blutgerinnung regulieren (Thrombose durch ein Blutgerinnsel), Gene die starke Knochen aufbauen (Osteoporose), Gene die den Blutzucker regulieren (Diabetes) und auch Gene, die bei Sport Energie aus den Fettreserven holen (unser Gewicht-Programm). Wenn diese Gene gut funktionieren ist alles in Ordnung, sind sie jedoch beeinträchtigt kann das Krankheiten auslösen.

Ich würde also sagen: Gene machen nicht das was ihnen beigebracht wurde sondern Gene sind die Information, die beigebracht wird. Das ist alles was ein Gen ist. Die Anweisung an den Körper irgendeinen Prozess auszuführen. Ist das Gen defekt, funktioniert der Prozess nicht mehr richtig.

Ein weiterer Hinweis dass die relevante Information in den Genen und nicht in den Membranen steckt ist der, dass wir wenn wir im Labor Gene von einem Organismus nehmen und in Zellen eines anderen Organismus‘ einpflanzen, die Eigenschaft/Anweisung dadurch übertragen wird.

In meiner Doktorarbeit habe ich menschliche Insulin-Gene genommen und in eine Zell-Linie (das können Sie sich als eine Bakterien-Suppe vorstellen. Viele frei schwimmende Zellen in Nährlösung) die ursprünglich (vor 50 Jahren) aus einem Hamster entnommen wurden eingepflanzt. Das Ergebnis war, dass die Zellen menschliches Insulin produziert haben, das nun Diabetikern das Leben rettet. Nimmt man das leuchtende Gen von Glühwürmchen und pflanzt es in die Hamsterzellen ein, beginnen diese zu leuchten. Daraus wissen wir dass die Information in den Genen stecken. Membrane werden bei diesem Prozess nicht übertragen.

Hier muss ich anmerken, dass bei unseren Genanalysen gar nichts eingepflanzt oder manipuliert wird. Alles was wir machen ist die Gene der Person auszulesen. Daraus erfahren wir wie die Eigenschaften des Körpers sind und können dadurch das optimale Handlungsprogramm zusammenstellen.



Frage: Manche Menschen sind aufgrund des Hintergrundes "Geld verdienen zu wollen" skeptisch im Bezug auf wissenschaftliche Studien, die von Pharmafirmen durchgeführt werden. Ist diese Skepsis begründet?



Dr. Wallerstorfer:

Aus meiner Erfahrung werden nur die wenigsten Studien von der Pharmaindustrie finanziert und durchgeführt. Vielmehr sind es Wissenschaftler an Universitäten, die in dem Bereich forschen und ohne finanzielles Interesse (Außer das vom Staat bezahlte Gehalt und ein gewisser Ruhm) die Studien durchführen. Auf solchen Studien basieren auch unsere Genanalysen zum größten Teil. Dennoch bin ich gegenüber den gut finanzierten Studien der Pharma-Industrie nicht sonderlich skeptisch. Die genaue Vorgehensweise wird genaustens dokumentiert und, wie ind er Wissenschaft üblich, offengelegt. Man kann sich diese Studien durchlesen und selbst eine Meinung darüber bilden ob man den Ergebnissen vertraut. Natürlcih werden viele Fehler gemacht, in der Pharmaindustrie wie auch in allen anderen akademischen Bereichen, aber diese werden immer sehr schnell von eifrigen (und oft konkurrierenden) Wissenschaftlern offengelegt. Das ist meiner Meinung nach das schöne an Wissenschaft, sie macht zwar Fehler aber tendiert dazu sich selbst zu korrigieren und am Ende an der Wahrheit an zu kommen.



Zur Person:



Dr. Daniel Wallerstorfer Bsc ist Molekularbiologe und Biotechnologe, der Geschäftsführer von Novogenia, einem genetischen Labor und einem der größten Anbieter von klinischen Genanalysen und der wissenschaftliche Leiter vom DNA Plus - Zentrum für Humangenetik.