Die Gluten-Intoleranz, auch einheimische Sprue oder Zöliakie genannt, ist eine häufig verbreitete Nahrungsmittel-Unverträglichkeit, die in Europa etwa eine Person von 120 betrifft.
Die Gluten-Intoleranz kann in der Regel in jedem Lebensalter auftreten, ist in zwei Lebensphasen aber meist besonders aggressiv: Die erste Phase tritt häufig im Säuglingsalter während der Umstellung von Milch auf feste Nahrung auf, die zweite entwickelt sich dann etwa im 4. Lebensjahrzehnt. Auffällig ist, dass Frauen häufiger betroffen sind als Männer.
Gluten-Intoleranz verursacht durch Gendefekte
95% der Gluten-Unverträglichkeitsfälle werden durch einen vererbten Defekt in zwei bestimmten Genen, die an der Funktion des Immunsystems beteiligt sind, ausgelöst. Sind diese Gene defekt, löst das Getreideeiweiß Gluten, das in vielen Nahrungsmittel enthalten ist, im Darm eine Reaktion des Immunsystems aus: Es versucht, das Gluten wie eine bakterielle Infektion zu bekämpfen. Dies führt zu einer meist chronischen Entzündung sowie letztendlich einer Beschädigung des Dünndarmgewebes und somit zu einer Vielzahl weiterer Symptome wie etwa Durchfall, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust bis hin zu Unterernährung, Müdigkeit und gelegentlichem Erbrechen. Bei Säuglingen und Kleinkindern kann dies außerdem zu Wachstumsstörungen führen. Die Symptome können so weitläufig sein (z.B. juckender Hautausschlag mit Bläschen = Dermatitis herpetiformis), dass sie vordergründig gar nichts mehr mit dem Verdauungstrakt zu tun haben, was die Diagnose auf Gluten-Intoleranz erheblich erschwert.
Folgekrankheiten durch fehlende Behandlung
Es treten auch häufig Begleiterkrankungen wie Diabetes mellitus Typ-1, Anämie und Osteoporose sowie Folgekrankheiten wie die Laktose-Unverträglichkeit auf. Wird die Krankheit über mehrere Jahre hinweg nicht diagnostiziert oder wird keine glutenfreie Diät geführt, kann dies zu immer größerer Beschädigung des Darms und in schlimmen Fällen sogar zu Tumoren in verschiedenen Teilen des Körpers führen. Bleibt die Erkrankung unerkannt und unbehandelt, endet sie für
12% der Betroffenen tödlich, ein Risiko, das sich bei richtiger Behandlung und Vorsorge in den meisten Fällen wieder normalisiert. Durch die Beschädigung der Darmzotten werden außerdem wichtige Nährstoffe nicht richtig aufgenommen, was zu Vitamin- und Mineralmangel führen kann. Deswegen ist es für Betroffene wichtig, auf eine ausgewogene glutenfreie Diät zu achten und ggf. entsprechende Nahrungsergänzungsmittel zu verwenden.
Maßnahmen nach der Diagnose
Die Gluten-Intoleranz ist nach heutigem Stand der Medizin nicht heilbar und das Prinzip der Behandlung besteht in einer lebenslangen glutenfreien Diät, wobei sich die Darmschleimhaut in der Regel wieder regeneriert und die Symptome meist vollkommen verschwinden.
Betroffene sollten sich deshalb mit der Liste glutenhaltiger Nahrungsmittel vertraut machen und auf die Zutatenliste auf den Verpackungen von Nahrungsmitteln achten. In seltenen Fällen sprechen Betroffene nicht auf die Diät an. In diesen Fällen ist es möglich, auch medikamentös einzugreifen.
Obwohl die Gluten-Intoleranz ein weit verbreitetes Problem darstellt, wird sie aufgrund ihrer mangelnden Bekanntheit und der Weitläufigkeit der Symptome nur selten richtig diagnostiziert und in der Regel für allgemeine Verdauungsprobleme gehalten. Deshalb ist dieser Gentest so wertvoll, weil er Ihnen hilft, Ihr erhöhtes Risiko zu erkennen und ggf. Ihre Ernährung so umzustellen, dass weitere Beschwerden vermieden und besonders schwere Folgekrankheiten verhindert werden können.
Symptome der Gluten-Intoleranz
Die Symptome sind von Person zu Person meist verschieden. Die häufigsten Beschwerden äußern sich folgendermaßen:
- Durchfall bzw. abnorme Stühle
- Blähungen
- Generelles Krankheitsgefühl
- Müdigkeit
- Krämpfe und Schmerzen im Bauch
- Eisenmangel bis hin zur Anämie
- Muskel- und Gelenksschmerzen
- Gelegentliches Erbrechen
- Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust bis hin zu Unterernährung
- Evtl. schmerzhafte, juckende Bläschen auf der Haut
- Bei Kindern Wachstumsstörungen
Wird die Intoleranz lange Zeit nicht erkannt und bleibt unbehandelt, können sich schwere Folgekrankheiten entwickeln. Diese beinhalten:
- Laktose-Unverträglichkeit (Milchzucker-Unverträglichkeit)
- 9-fach erhöhtes Risiko, an HNO(Hals-Nasen-Ohren)-Tumoren zu erkranken
- 40-80-fach erhöhtes Risiko, an Lymphomen (Tumoren im Lymph-System) zu erkranken