Starkes Übergewicht oder Adipositas ist in den Industrieländern ein zunehmendes Problem und Deutschland steht in Europa bereits an dritter Stelle. Etwa 12,3% der Männer und 11,3% der Frauen sind ab dem 18. Lebensjahr stark übergewichtig, was auf eine Kombination von falscher Ernährung, Bewegungsmangel und genetische Veranlagungen zurückzuführen ist.
In der Zeit als unsere Vorfahren noch Jäger und Sammler waren und das Nahrungsangebot begrenzt war, war eine effektive Speicherung überschüssiger Kalorien ein wichtiges Überlebensrezept. Nach der landwirtschaftlichen Revolution haben sich jedoch Lebensstil und Nahrungsangebot so verändert, dass vielen diese genetischen Eigenschaften nun zum Verhängnis werden. Bewegungsmangel und ein Überfluss an Nahrungsmitteln sind nun Risikofaktoren für Übergewicht und können durch die individuelle Kombination aus Genen entweder neutralisiert oder gefördert werden. Die Ernährung spielt dabei natürlich eine wichtige Rolle.
Aus Studien geht hervor, dass der Hang zur Übergewichtigkeit mindestens genauso von der Zusammensetzung der Nahrungsmittel abhängt, wie von der Menge der konsumierten Kalorien. So waren z.B. Menschen, die dieselbe Anzahl an Kalorien zu sich nahmen, deutlich übergewichtiger, wenn ihre Nahrung einen hohen Anteil an Fett (wie ungesättigten Fettsäuren) und einen nur geringen Anteil an Vitaminen und Mineralstoffen enthielt.
Der Lebensstil ist ein wichtiger Risikofaktor, doch die genetische Veranlagung dazu wird immer deutlicher. Wissenschaftler gehen davon aus, dass etwa 70% des Übergewichtes vererbter, also genetischer, Ursache ist. Für Menschen, denen eine solche Veranlagung in die Wiege gelegt wurde, ist das Halten des Normalgewichtes deutlich schwerer als für nicht-veranlagte Personen. Dennoch ist es für jeden wichtig, sein Normalgewicht zu erreichen und zu halten, da Übergewicht einen entscheidenden Risikofaktor für die Entstehung von vielen Krankheiten darstellt.
Viele Volkskrankheiten hängen direkt mit Übergewicht zusammen. Besonders inneres Bauchfett ist metabolisch aktiv und trägt zur Entstehung von einer Vielzahl von Erkrankungen bei. Erkrankungen, bei deren Entwicklung Übergewicht einen deutlichen Risikofaktor darstellt, sind:
- Bluthochdruck
- Diabetes mellitus Typ 2 (Altersdiabetes, Zuckerkrankheit)
- Reflux
- Herzinfarkt
- Arteriosklerose
- Schlaganfälle
- Brustkrebs
- Arthritis
- Arthrose
- Gelenksschmerzen
- Degenerative Wirbelsäulenerkrankungen
- Fußdeformitäten (Stempelfuß)
- Gallenblasenerkrankungen
- Gicht
- Schlafapnoe-Syndrom
- Venenschwäche/Venenthrombose
- Verminderung der kognitiven Leistungsfähigkeit
- Demenzerkrankungen ( Alzheimer-Krankheit)
- Schäden am Stütz- und Bewegungsapparat (Gelenksschäden, Muskelverspannungen, Knochendeformation, Schäden an Bändern, Sehnen und Schleimbeuteln, Wirbelsäulenverkrümmung und Bandscheibenvorfall sowie Knochenwachstumsstörungen bei Kindern und Jugendlichen)
Manche Menschen bleiben auch bei einem dauerhaft ungesunden Lebensstil schlank, während andere auch bei einer mäßig gesunden Ernährung leicht übergewichtig werden. Andere nehmen bei einer Ernährung mit hohem Fettgehalt deutlich mehr zu als andere, bei denen der Fettgehalt keine bedeutende Rolle zu spielen scheint. Manche verlieren bei regelmäßigem Sport sehr schnell an Gewicht, während andere mit demselben Einsatz kaum eine Veränderung feststellen.
All diese individuellen Unterschiede liegen in den Genen, was auch erklärt, warum die eine Person mit einer fettarmen Diät große Erfolge hat und die andere nur durch mehr sportliche Aktivität ihr Gewicht verliert.
Nun ist es durch moderne Gendiagnostik möglich herauszufinden, welcher Typ man aufgrund seiner Gene wirklich ist. Das Analyseergebnis gibt Anhaltspunkte darauf, wie hoch das Risiko, an Übergewicht zu leiden, tatsächlich ist und wie einfach oder schwer man mit Handlungen in den Kategorien: Fettgehalt in der Ernährung / Kohlehydrat-Gehalt in der Ernährung / Form von sportlicher Aktivität / Kalorienreduktions-Diät Gewicht verlieren und das Normalgewicht halten kann.
Aufgrund dieser Informationen lässt sich dann der optimale Diätplan zusammenstellen, was einer Studie zufolge zu
2,5-mal höherem Erfolg führt.
Jeder Mensch ist anders, also ist es wichtig herauszufinden, wo die genetischen Schwächen liegen und wie man genetische Stärken nützen kann, um ein gesundes und langes Leben zu führen.